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Großbritannien hinkt beim entbündelten Zugang immer noch hinterher
Stuttgart — 4. Mai 2007 — Der Markt des entbündelten Zuganges zur Teilnehmeranschlussleitung verzeichnet
in den fünf größten westeuropäischen Ländern Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien ein beachtliches Wachstum.
Ende 2005 summierte sich die Anzahl aller entbündelten Zugänge in diesen fünf Ländern noch auf 7,97 Millionen Leitungen. Innerhalb eines
Jahres stieg diese Zahl um 62% auf 12,39 Millionen Ende 2006. Mit 4,75 Millionen entbündelten Zugängen (37% aller entbündelten Zugängen in den 5 Ländern)
liegt Deutschland unter den betrachteten Ländern auf Platz 1, gefolgt von Frankreich mit 3,92 Millionen (30%) und Italien mit 2,03 Millionen (16%).
Großbritannien verzeichnete lediglich 1,3 Millionen entbündelter Teilnehmeranschlussleitungen und hinkt damit immer noch hinter Ländern wie Deutschland,
Frankreich und Italien hinterher — aber mit einem Wachstum von 575% im Jahr 2006 war die Steigerungsrate schon sehr beachtlich. Auch in Spanien mit
0,93 Millionen Leitungen wurde im Verlauf von 2006 eine starke Wachstumsrate (116%) erreicht (siehe Fig. 1).
Um den Wettbewerb vor allem in den DSL-Märkten zu fördern, sind die regulatorischen Rahmenbedingungen zum entbündelten Zugang und dem Angebot
von Wholesalediensten der ehemaligen Monopolanbieter für ihre Wettbewerber ein heiß diskutiertes Thema. In Großbritannien bewirkte die
"Strategische Betrachtung der TK-Märkte" des nationalen Regulierers Ofcom, dass der Geschäftsbereich "openreach" innerhalb der
BT Gruppe geschaffen wurde. Dieser Geschäftsbereich soll den Wettbewerb fördern und allen Anbietern (d.h. BTs eigenen Geschäftsbereichen
und externen Anbietern) einen gleichberechtigten Zugang zum Zugangsnetz (z.B. mit Hilfe entbündelter Zugänge) und zum Transportnetz unter
gleichen Bedingungen anbieten.
Der Erfolg des entbündelten Zuganges hängt auch von der Verfügbarkeit anderer Wholesaleprodukte ab, die einen Einfluss auf die Entwicklung des entbündelten Zuganges in den vergangenen Jahren hatten. In Deutschland war der entbündelte Zugang bis 2004 das hauptsächlich genutzte Wholesaleprodukt alternativer Anbieter, um Sprach- und/oder Internetdienste anbieten zu können, da Resaleangebote (die auch die Endkundenbeziehung mit einschlossen) für DSL erst seit Ende 2004 verfügbar sind und ein reguliertes Bitstreamangebot für DSL erst im Laufe von 2007 eingeführt werden wird.
Im Vergleich dazu haben in Großbritannien Resaleangebote (z.B. für Telefonie) ebenso wie Bitstreamangebote eine längere Tradition.
Obwohl der entbündelte Zugang bereits seit 2000/2001 angeboten wird, haben alternative Anbieter DSL-Dienste hauptsächlich mit Hilfe
anderer Wholesaleprodukte von BT realisiert (z.B. die Bitstreamprodukte "IPStream" und "DataStream"). Erst 2006 stieg der Anteil
der DSL-Leitungen, die mit Hilfe des entbündelten Zuganges realisiert wurden, auf 13%, verglichen mit 3% im Vorjahr.
In Großbritannien kam es zu einem starken Wachstum bei entbündelten Zugangsleitungen, erst nachdem organisatorische Veränderungen
im Wholesalebereich durchgeführt wurden. Diese Tatsache könnte als einen Beweis für den Erfolg des Vorgehens in Großbritannien gewertet werden.
Jedoch zeigten sich auch in anderen größeren europäischen Ländern mit bereits gut entwickelten Märkten im Bereich des entbündelten Zuganges
und ohne organisatorische Veränderungen beim Angebot von Wholesalediensten (regulierte Wholesaledienste wie z.B. entbündelter Zugang oder Bitstream)
beträchtlichen Wachstumsraten innerhalb eines Jahres (+62% in Italien, +46% in Deutschland und +39% in Frankreich).
Beim Direktvertrieb von DSL für Endkunden hat BT Ende 2006 mit 32% den geringsten Marktanteil aller betrachteten ehemaligen Monopolanbieter.
Aber viele DSL-Angebote (54% aller DSL-Leitungen) basieren auf BTs Wholesale-Bitstreamzugangsprodukten. Vom Wholesale-Standpunkt aus gesehen
sollte man hervorheben, dass BT relativ hohe Umsätze mit Hilfe seiner Wholesale-Bitstreamzugangsprodukte generiert (Wettbewerber erhalten einen "Rabatt" auf die Endkundenpreise)
vergleichen mit Wholesaleumsätzen aus entbündelten Zugangsdiensten (die Preise für Wettbewerber orientieren sich an den Realisierungskosten).
Im Hinblick auf infrastrukturbasierten Wettbewerb, der mit Hilfe von entbündelten Zugängen oder eigener Infrastruktur realisiert wird,
und der den allgemeinen TK-Wettbewerb fördert, ist Großbritannien verglichen mit Deutschland immer noch ein relativ geschützter Markt.
In Deutschland ist die Wettbewerbsintensität bei weitem höher. Dies zeigt sich insbesondere am hohen Anteil der vollständig entbündelten Leitungen
(über 99% aller entbündelter Leitungen) und dem bedeutenden Verlust bei Telefonanschlüssen, den die Deutsche Telekom zu Gunsten der Wettbewerber auch im Jahr 2006 hinnehmen musste.
Generell zeigen sich in Ländern wie Frankreich und Großbritannien weitere Migrationsprozesse. Netzbetreiber wechseln von den bisherigen Bitstream- und Resaleangeboten hin
zum entbündelten Zugang und investieren in passende Infrastrukturen, um damit eine bessere Kontrolle über ihr Dienstangebot zu haben und ihren Endkunden flexiblere Dienste anbieten zu können.
Die Diskussion über das Wettbewerbsniveau bei den Breitbandmärkten ist jedoch wesentlich komplexer als dies einige Aussagen andeuten könnten. Dies zeigt sich zum Beispiel an der Tatsache,
dass sich in einigen Ländern mit stärker entwickelten Märkten im Bereich entbündelter Zugänge, wie z.B. Deutschland und Frankreich, die Produktangebote alternativer Anbieter stärker
von denen der ehemaligen Monopolanbieter unterscheiden — z.B. höhere DSL-Bandbreiten, Bündelangebote (z.B. Telefonie mit Breitbandinternet) — und dass sich im Zuge dessen der Wettbewerb
verstärkt hat; weitere Faktoren wären zusätzlich der Wettbewerb seitens von Kabelnetzbetreibern, der Bevölkerungsanteil in Ballungsräumen usw.
Fig. 1- Zahl der entbündelten Zugänge in den 5 größten westeuropäischen Ländern (in 1 000)
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